Was zum Teufel ist Red Tape?


Red Tape = Bürokratie, Papierkrieg. Kommt natülich aus dem Englischen.


Den erleben wir täglich. Davon werden wir hier ein bisschen erzählen. Zum Frustabbau oder so.


Vielleicht auch zum Schmunzeln?


Also, viel Spass beim Lesen.

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Die Gedanken der Schuldner

Aufgrund eines Leserbeitrages ist es mal fällig, sich mit dem schon typischen Verhalten und Denken von Schuldnern auseinander zu setzen.

Wenn alle nur das bestellen, was sie bezahlen können, würde es keine Schuldner geben. Irgendwann wird aber angefangen zu bestellen im Vertrauen oder der Hoffnung, es wird schon Geld rein kommen. Oder es wird mehr bestellt, als Geld reinkommt.

Am Anfang plagt den Schuldner noch das Gewissen. Dann wird versucht, auf Mahnungen zu zahlen. Aber irgendwann stumpft er weiter ab. Dann wird nicht mehr auf Mahnungen gezahlt.

Die nächste Phase ist, dass auf Mahnbescheide gezahlt wird. Nach dieser Phase wird dann gegen neue Mahnbescheide Widerspruch erhoben, weil dass dann die Vollstreckung verzögert. Da ist der Schuldner schon soweit, dass er nur noch an den Gerichtsvollzieher zahlt.

Schließlich folgt irgendwann die Insolvenz, oder auch nicht.

Und auf diesem Weg wandelt sich dann auch das Denken des Schuldners. Plötzlich plagt ihn nicht mehr das schlechte Gewissen, er fühlt sich nicht mehr schuldig.

Und dann kommen solche Sprüche, wie hier im Blog als Kommentar gepostet:

Also (Zitat: “Noch einmal wird ihm aber auch keine Planinsolvenz mehr gelingen.”) ist der Herr Rechtsanwalt stolz darauf, einen Verein auszuradieren bzw. dazu beitragen zu können? Na herzlichen Glückwunsch. Da wohl keine Verjährung der Forderung gegeben ist, ist eine Titulierung nicht notwendig. Aber wenn man das Verfahren nutzen will, um Druck auszuüben, dann ist das schlicht der legale Versuch, den Schuldner zu erpressen. Legal aber durchaus fragwürdig eine solche Einstellung.

Dabei wird vergessen, dass der Gläubiger eine ordentliche Leistung hinlegte und dafür auch das Recht auf die Gegenleistung hat. Wenn der Schuldner Leistungen bestellt, muss er auch damit rechnen, dass der Gläubiger sein Geld fordern wird. Es ist nicht der Gläubiger, der sich im Unrecht befindet, es ist der Schuldner, der sich um Verzug befindet.

Und dreist wird erwartet, dass der Gläubiger monatelang (von Juni bis Oktober) wartet, ob er vielleicht mal sein Geld bekommt. Dabei verkennt der Schuldner, dass der Gläubiger eben keine Bank oder Wohlfahrtorganisation ist. Und wieso kann der Schuldner nicht vorher ansagen, dass er erst – vielleicht – im Oktober zahlen kann? Dann hätte der Gläubiger auch die Wahl gehabt, den Auftrag abzulehnen.

Und dass der Gläubiger schließlich mit dem Geld auch seine Miete, seine Personalkosten und seine eigenen Unterhaltskosten bestreiten muss, das sollte auch mal erwähnt werden.

Statt polemisch den Versuch zu unternehmen, den Spieß umdrehen zu wollen, sollte sich der Schuldner auch gegenüber seinem Gläubiger fair verhalten. Und da gibt es nichts fragwürdiges, wenn der Gläubiger in einem Rechtsstaat seine Rechte durchsetzen will.

PS: Wenn ein Verein schon einmal eine Insolvenz hinlegte und gerettet wurde, hat er dann künftig den Anspruch aller paar Jahre erneut seine Rechnungen nicht bezahlen zu müssen und aus einer Insolvenz gerettet zu werden?

7 Kommentare zu “Die Gedanken der Schuldner”

  1. doppelfish sagt:

    Das mit dem Retten geht natürlich nicht. Also, für einen kleinen Verein. Das geht nur bei Banken.

  2. gonzales sagt:

    Wenn alle nur das bestellen, was sie bezahlen können, wäre unsere Kreditwirtschaft und somit die gesamte Weltwirtschaft am Ende.

  3. Ralf Wortmann sagt:

    @gonzales:
    Interessanter Ansatz. Was würde passieren, wenn alle nur das bestellen, was sie bezahlen können? #Fiktion

    Die Banken würden kaum noch benötigt, außer zum Geld aufbewahren (natürlich ohne Guthabenszinsen). Das Kapital könnte sich allenfalls noch durch Aktien vermehren, aber kaum noch durch Geldverleih. Wirtschaftliche Innovationen würden sich verlangsamen, da das Geld dafür erst angespart werden müsste. Menschen würden erst im mittleren oder hohen Alter in Eigenimmobilien wohnen.

    Es gäbe gewaltige, schmerzhafte Umstrukturierungen im Bankenwesen. Aber die Weltwirtschaft wäre danach nicht am Ende, sie wäre nur anders.

  4. Niedermeyer sagt:

    In allen Ländern werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Das ist zwingend so, da Zinsen Teufelszeug sind. Schließlich kann sich Geld eigentlich nicht vermehren.

    Hätten die Armen also genug Geld/Willen um ihre Schulden zu bezahlen, müsste das Geld von den Reichen kommen. Wo ist da der Unterschied zu “wir können/wollen nicht zahlen”?

    Es ist kurzsichtig die Schuldner als ein Übel zu sehen. Schließöich sind sie die Ursache für den Reichtum. Auch die stetig wachsende Staatsverschuldung gehört dazu. So ist das Vermögen in den letzten Jahren nicht gestiegen. Der Reichtum ist durch die fortschreitende Ausbeutung der Armen entstanden.

    Außerdem entsteht echte Freiheit erst durch den Bankrott. Staat, Obrigkeit und große Firmen versuchen dem kleinen Mann ständig in die Tasche zu greifen. Erst mit der Pleite kann er sagen: “egal, es ist nichts mehr da, mir kann nichts mehr passieren. Ich bin jetzt frei!”

    Warum sollte der Schuldner also Schuld empfinden? Er empfindet Erleichterung und kann endlich wieder frei atmen. Nach ein paar Jahren lernt er damit zu leben und hat vor keiner betrügerischen Telefonfirma und vor keiner Abofalle mehr Angst. Er ist wirklich frei.

    Schade, dass es noch nicht mehr freie Menschen gibt.

  5. Robert sagt:

    Ich hatte in der Kanzlei angerufen, wurde auf später vertröstet – aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob es etwas bringt, den Autoren auf den Kern meines Kommentars hinzuweisen: Es ging darum, dass er sich diesbisch freut, dem Verein eins auszuwischen, schließlich könne ja nicht nochmal eine Planinsolvenz gelingen. Meine Erwiderung war, dass es moralisch verwerflich ist, sich darüber zu freuen, einen gemeinnützigen Sport-Verein (also keine Privatperson) auszulöschen.

    Generell stehe ich auf der Seite des Autors und ohne diesen Nachsatz hätte ich wahrscheinlich nie einen Kommentar abgegeben. Es gilt ganz einfach: Auftrag-Rechnung-Bezahlung und wer nicht in der gesetzten Frist zahlt ist im Verzug. Nur wie es ab da weiter geht, da trennen sich unsere Ansichten. Ich denke, hier kann man im Einvernehmen eine Lösung finden, wenn man will. Aber eventuell will man keine Lösung, weil man sich persönlich angegriffen fühlt als Anwalt, weil der Mandant, den man vertritt ja man selbst oder die eigene Kanzlei sein könnte?

  6. H. Müller sagt:

    @ Ralf Wortmann

    Das ist falsch. Ohne Schulden kein Sparen!!!!
    Volkswirtschaftlich gesehen steht einem Gläubiger immer ein Schuldner gegenüber.

    Deswegen ist es auch absoluter Blödsinn, was unsere Politiker, sogenannte Experten und ein Großteil der Medien bezüglich der Staatsverschuldung und der ach so armen nachfolgenden Generation absondern.

    Es werden nicht nur die Schulden vererbt sondern auch die Forderungen. Es geht später, genau wie heute darum, wer erbt die Forderung und wer bezahlt die Zinsen.

  7. R. Tape sagt:

    @niedermeyer: Ich würde dem ja zustimmen, wenn die Gläubiger, die wir meist vertreten superreich wären. Aber viele Gläubiger müssen auch zusehen, wie sie über die Runden kommen. Und Ihrer Logik folgend, wenn keiner mehr seine Rechnung bezahlt, gibt es keine Armen und keine Reichen mehr? Nun eher wird dann der noch Tätige untätig werden.

    @robert
    es ist keine “diebische Freude”. Es war nur eine Vermutung, dass bei einer erneuten Insolvenz innerhalb von nur wenigen Jahren die Gläubiger einer Planinsolvenz wohl nicht mehr zustimmen werden. Sie unterstellen hier etwas, was sich aus dem gesamten Artikel nicht ergibt.

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